Dienstag, 13. August 2013

Blackout - Morgen ist es zu spät

Autor: Marc Elsberg

Roman

Originaltitel: BLACKOUT. Morgen ist es zu spät
Originalverlag: Blanvalet, München 2012

Taschenbuch 800 Seiten,
ISBN: 978-3-442-38029-9
Preis:  9,99

Zum Buch 

Verlag: Blanvalet

Handlung: 
An einem kalten Februarabend geht in Italien das Licht aus. In Europa brechen die Stromnetze weitgehend zusammen, Kraftwerke schalten sich ab, Fahrstühle und U-Bahnen stecken fest.
Der italienische Ex-Hacker Piero Manzano entdeckt eine Manipulation der „intelligenten Stromzähler“, die in Italien flächendeckend eingesetzt werden. Er versucht zu den zuständigen Behörden durchzudringen, wird aber immer abgewiesen. Über Bekannte und mit Hilfe der Schwedischen EU-Mitarbeiterin Sonja Angström findet er schließlich Gehör beim französischen Europol-Kommissar François Bollard in Den Haag. Und tatsächlich: Die europäischen Stromnetze werden angegriffen. Als die junge und attraktive Journalistin Shannon auf den Plan tritt und Bollard unangenehme Fragen stellt, dieser dann auch noch Manzano verdächtigt, weil von dessen Computer aus undurchsichtige E-Mails verschickt worden sind, ist klar, dass man gegen einen ebenso verschlagenen wie unsichtbaren Gegner kämpft. Manzano gerät unter Verdacht, selbst zu den Angreifern zu gehören und wird zum Gejagten. Unterdessen wird die Situation immer dramatischer: Auch in den USA fallen die Netze aus. Menschen sterben durch Kälte, Nahrungsmangel, fehlende medizinische Versorgung und Unruhen. Als mehrere europäische Atomkraftwerke vor der Havarie stehen und Millionen Menschen bedrohen, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Blackout ist ein Roman, dereinen sofort fesselt und in seinen Bann zieht. Erschreckend realistisch wird von einem gesellschaftlichen Zusammenbruch erzählt, der aus verschiedenen Perspektiven dargestellt und aufgezeigt wird. Zum einen haben wir da die Geschichte des Hackers Piero Manzano, der gleichzeitig der Protagonist ist, parallel werden die Bemühungen der Regierungen dargelegt, während seltener die Verursacher der Stromkrise aus dem anonymen Raum zu Wort kommen. Das hat zur Folge, dass der Autor seinen LeserInnen einen breiten Rundumblick gewährt, der den Inhalt zum einen stichfester wirken lässt und es zum anderen vereinfacht, sich in die Geschehnisse hineinzufinden, denn so ist ein größeres Identifikationspotenzial vorhanden. Die Verflechtungen der einzelnen Sichtweisen und Charaktere untereinander nimmt mit fortschreitender Handlung zu und wertet das Buch sehr auf, da nicht nur der Stromausfall alleine im Fokus steht, sondern auch den einzelnen Schicksalen eine große Bedeutung zugesprochen wird.

Durch die ständig wechselnden Perspektiven, die über den ganzen Globus innerhalb Europas verstreut liegen, entsteht ein unglaubliches Tempo, welches das Buch zu einem wahren Pageturner werden lässt. Diese Schreibweise erinnert mich sehr an "Die Arena" von Stephen King, was durchaus als Kompliment verstanden werden soll. Auf diese Weise wird unter anderem auch verhindert, dass der Leser sich durch die vielen Informationen, die teilweise auf ihn einstürmen, erschlagen wird. Technische Hintergründe und komplexe oder schwer greifbare Vernetzungen werden dem Leser so Stück für Stück nahe gebracht und ehe man sich überfordert fühlen kann, wechselt die Szene wieder. Ich kann dafür nur ein großes Lob an den Autor aussprechen, denn das solche Perspektivwechsel auch ordentlich schief gehen können dürfte ja allgemein bekannt sein (*hust* Purpurmond *hust*).

Piero Manzano kann man wohl als modernen Helden bezeichnen. Ein normaler Informatiker mit umfangreichen Hackerkenntnissen, der durch die Entdeckung der manipulierten Stromzähler mehr oder weniger durch Zufall in diese Rolle gedrängt wird. Dennoch nimmt er sämtliche Hindernisse und versucht schließlich auf eigene Faust, die Täter zu überführen. Ihm zur Seite steht die Journalistin Shannon, die sich auf der Suche nach einer guten Story schließlich an seine Fersen heftet. Eine Kostellation, die mich ein wenig an Dan Brown denken ließ, aber ich kann Entwarnung geben: keine Liebesgeschichte :)! 
An manchen Stellen hab ich zuerst nicht verstanden, wieso Piero nicht einfach alles hinschmeißt. Spätestens nachdem ich selbst als Verdächtige gehandelt werden würde, würde ich doch sagen "Leckt mich am Arsch, machts halt allein!"
Bis mir dann immer wieder die Ausmaße und die Konsequenzen des Stromausfalls vor Augen geführt wurden. Klar, wenn man weiß, dass man auf einer heißen Spur ist und auch das nötige Know-How mitbringt diese zu verfolgen, würde ich wohl auch alles daran setzen um dieses Chaos zu beenden. 

Die Atmosphäre des Buches hat mich unglaublich begeistert. Dem Autor ist es gelungen die Empfindungen und Ängste der Bevölkerung einzufangen und dem Leser zu vermitteln. Während zu Anfang des Stromausfalls noch solidarisches Handeln und Nachbarschaftshilfe den Großteil der Bevölkerung zusammenführen, bröckelt diese Hilfsbereitschaft von Tag zu Tag mehr bis jeder nur noch an sein eigenes Überleben denkt und da auch vor Plünderungen und anderen Strafttaten nicht zurückschrecken.

Es gibt vor allem zwei Szenen, an die ich noch heute mit einem üblen Beigeschmack zurückdenke und die mich nicht loslassen wollen. Ich möchte euch an der Stelle nicht spoilern, da ich persönlich diese zwei Szenen für sehr prägend halte.

Ein weiterer Pluspunkt ist es, dass Elsberg es schafft das grausige Szenario einzufangen ohne durch übertrieben Brutalität schocken zu wollen. 

Ebenfalls spannend fand ich, dass nahezu alle Bereiche des Lebens zusammenbrechen "nur" weil der Strom fehlt. Die Tankstellen können kein Treibstoff mehr aus den unterirdischen Tanks pumpen, Abwasser kann nicht mehr entsorgt und gereinigt werden, Toiletten nicht mehr gespült und Wasserhähne bleiben trocken. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten oder Bargeld ist nicht mehr gesichert. Tiere in landwirtschaftlichen Betrieben sterben massenhaft einen qualvollen Tot, die Kadaver können nicht beseitigt werden. Über die Folgen von Atomkraftwerken, die ihre Kühlsysteme nicht mehr Aufrecht erhalten können müssen wir an der Stelle nicht reden. Jeder wird sich noch an Fukushima erinnern können. 
Nach vergleichsweise kurzer Zeit, wir reden hier von zwei Wochen, herrschen in ganz Europa Zustände, wie nach dem Krieg. Und das Schlimmste: all das ist realistisch. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, der Autor würde übertreiben. 

Zusammenfassend kann ich sagen, Blackout ist ein Buch, welches Spuren hinterlässt. Es überzeugt mit einer umfangreichen und tiefgründigen Story, einer Vielfalt an gut gezeichneten Charakteren, einer rasanten Schreibweise und tragische Einzelschicksale.

Ich selbst bin nicht der Thrillerleser, dennoch kann ich nur jedem dieses Buch empfehlen!

Anbei kann ich übrigens noch eine kleine Geschichte erzählen. Mein Samstag beginnt normalerweise mit einer Tasse Kaffee und ewig lange im Bett liegen bleiben und eine Runde lesen. So natürlich auch während ich Blackout gelesen habe. Als ich mich schließlich aus dem Bett gerollt und mich zum Supermarkt bewegt habe um meinen Lebensmittelvorrat aufzustocken, fiel doch in dem Laden tatsächlich der Strom aus! Ich stand gerade an den Kühlregalen als es plötzlich dunkel wurde. Alta, könnt ihr euch vorstellen, was für einen Schreck ich bekommen hab?! Da natürlich auch die Kassen nicht mehr funktionierten musste ich den Laden ohne Einkäufe verlassen. Ich war ernsthaft erleichtert, als draußen dann alles noch in Ordnung war und in den anderen Geschäften das Licht noch brannte :)!

Für das zur Verfügung stellen des Rezensionsexemlars möchte ich mich bei bloggdeinbuch und dem Blanvalet Verlag bedanken!

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